Manche Autos muss man(n) holen!

TVR Roadtrip von Schweden in die Schweiz

2’500 Kilometer, ein TVR Chimaera und ein Roadtrip, den wir nie vergessen werden!

Manchmal beginnt eine Geschichte nicht mit dem Drehen des Zündschlüssels, sondern Monate vorher – mit nächtlichem Surfen im Internet und einem anschliessenden Telefonat.

Im November 2025 wurden wir auf einen einzigartigen TVR Chimaera 5.0 V8 aufmerksam. Es folgten unzählige WhatsApp-Nachrichten und Telefonate mit dem Verkäufer in Schweden, Abklärungen mit TVR England und jede Menge Recherche. Schnell war klar: Hier stand nicht irgendein Chimaera zum Verkauf. Es handelte sich um einen der letzten TVR Chimaera 5.0; dieser wurde am 1. April 2000 im englischen Blackpool erstmals zugelassen. Nach seinen ersten zehn Jahren in England hatte das Fahrzeug in Schweden eine neue Heimat gefunden – und genau dort wollten wir ihn kennenlernen.

Ende April war es dann endlich soweit. Früh am Morgen stieg das Felgenprofi-Team ins Flugzeug nach Stockholm. Der Plan war einfach: Auto besichtigen, Probefahrt machen und entscheiden. Doch wie so oft im Leben haben Pläne ihre eigene Dynamik.

Nach einer längeren Fahrt durch die schwedische Landschaft stand der TVR plötzlich vor uns. Tief in seinem seltenen Starmist Blue, mit dem hellen Magnolia-Lederinterieur und den unverwechselbaren Linien, wirkte er noch faszinierender als auf den Fotos. Spätestens nach der Probefahrt war jede Vernunft verschwunden. Der Rover-V8 bollerte mit genau dem Charakter, den man sich von einem klassischen britischen Sportwagen wünscht. Die Entscheidung fiel schneller, als wir es uns vorgenommen hatten.

Jeder Petrolhead kennt diesen Moment – Der Kopf sagt: «vernünftig bleiben!» – Das Herz sagt längst: «Den nehmen wir! Der TVR muss in die Schweiz»

Unser Gastgeber Claes verabschiedete uns allerdings nicht einfach mit den Autoschlüsseln. Stattdessen lud er uns auf seine Farm ein, wo wir den Abend zwischen Werkstätten, Rennfahrzeugen und einer beeindruckenden Sammlung seltener Klassiker verbrachten. Nicht alles durfte fotografiert werden. Diskretion gehört in Schweden offenbar genauso zur Oldtimer-Szene wie guter Kaffee. Gerade diese kleinen Geheimnisse machten den Besuch aber umso spannender.

Am nächsten Morgen begann das eigentliche Abenteuer.

Nicht auf einem Anhänger.

Nicht im Transporter.

Sondern auf eigener Achse!

Vor uns lagen rund 2’500 Kilometer durch Schweden, Dänemark und Deutschland bis in die Schweiz. Ein Roadtrip, der zugleich der ultimative Härtetest für einen 29 Jahre alten britischen Sportwagen werden sollte. Schon am ersten Tag spulte der TVR rund 800 Kilometer völlig problemlos ab. Weil wir schneller vorankamen als geplant, gönnten wir uns sogar einen kurzen Abstecher nach Kopenhagen, bevor wir über Helsingborg und Trelleborg die Fähre nach Rostock erreichten.

Doch welcher echte Roadtrip wäre ohne ungeplante Zwischenfälle komplett?

Kurz hinter Thüringen machte sich plötzlich intensiver Benzingeruch bemerkbar. Wenige Minuten später war die Ursache gefunden: Ein Benzinschlauch hatte ein Leck – ausgerechnet direkt über dem heissen Auspuffkrümmer. Hätten wir den Geruch nicht rechtzeitig bemerkt, wäre aus der Heimreise wohl ein spektakulärer Feuerwehreinsatz geworden. Zum Glück liess sich das Problem noch vor Ort beheben und am nächsten Tag lief der Rover-V8 wieder, als wäre nichts gewesen.

Wir dachten, das Abenteuer sei damit überstanden.

Falsch gedacht!

Nach weiteren rund 300 Kilometern verabschiedete sich die Lichtmaschine. Besonders ärgerlich war dabei, dass dieses Aggregat extra vor der Reise neu eingebaut worden war. Zum Glück hatten wir den originalen Alternator vorsorglich im Kofferraum mitgenommen. Also wurde nach einem kurzen Trip auf dem ADAC Abschlepper kurzerhand zurückgebaut – und plötzlich bewies das fast 30 Jahre alte Originalteil eindrucksvoll, weshalb man alte Technik manchmal einfach nicht ersetzen sollte. Von diesem Moment an schnurrte der Rover-V8 zuverlässig bis an die Schweizer Grenze.

Ganz ohne britischen Humor ging es dennoch nicht. Das eine oder andere Karosserieteil musste unterwegs mit Racetape gesichert werden, sonst wäre uns dies bei 280km/h Spitze sicherlich um die Ohren bzw. Rückspiegel geflogen. Wer schon einmal einen klassischen TVR bewegt hat, weiss, dass solche Kleinigkeiten fast zum guten Ton gehören. Entscheidend war etwas anderes: Der Chimaera hatte seinen Praxistest bestanden – und zwar mit Bravour. Er ist auf den eigenen vier Rädern bis in seine neue Heimat gerollt.

Nach der Einfuhr in die Schweiz begann der administrative Teil des Projekts. Das Fahrzeug wurde für die Einzelabnahme vorbereitet und erhielt nach rund zwei Monaten offiziell seine Schweizer Zulassung. Dafür auch einen speziellen Dank an Urs Handschin von der Firma Eggimann in Sissach, welche uns dabei unterstützt haben.

Damit war die Reise beendet – zumindest auf dem Papier. In Wahrheit beginnt für diesen aussergewöhnlichen TVR jetzt ein neues Kapitel. Zwischen Alpenpässen, kurvenreichen Bergstrassen und einer Landschaft, die wie geschaffen sind für den drehmomentstarken V8-Roadster.

Vielleicht fragt ihr euch, warum wir uns diesen Aufwand überhaupt antun.

Die Antwort ist einfach.

Der Felgenprofi beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Sportwagen, Rennfahrzeugen, Klassikern und automobilen Raritäten. Für uns endet die Leidenschaft nicht bei perfekt restaurierten Felgen. Sie beginnt dort, wo aussergewöhnliche Fahrzeuge Geschichten schreiben. Manche dieser Geschichten beginnen in einer Werkstatt. Andere auf einer Rennstrecke oder der Strasse.

Und manchmal beginnt eine Geschichte eben mit einem Flug nach Stockholm und endet 2’500 Kilometer später – mit einem breiten Grinsen in der Felgenprofi-Garage in Höri.