Felgenprofi unter Zeitdruck

Magnesiumfelge Rennsport

Wie die Reparatur einer Magnesiumfelge die Rennsaison rettete

Eine stark deformierte Magnesiumfelge, kaum Aussicht auf Ersatz und die laufende Rennsaison im Nacken: Als Leon Nagel mit einer beschädigten Felge seines historischen BMW-Windle-Renngespanns zu uns kam, war schnell klar – hier ging es nicht um eine gewöhnliche Felgenreparatur. Und dass sich der Aufwand gelohnt hat, zeigte sich nur wenig später eindrucksvoll auf dem Red Bull Ring.

Wenn Ersatz keine Option ist

Im historischen Rennsport lassen sich beschädigte Komponenten nicht einfach beim Hersteller nachbestellen. Viele Teile wurden vor Jahrzehnten in kleinen Stückzahlen gefertigt – manche existieren heute schlicht nicht mehr. Und genau das war bei der Felge von Sidecar-Rennfahrer Leon Nagel aus Stuttgart der Fall.

Bei einem Reifenwechsel war der Aussenring einer dreiteiligen Magnesiumfelge für sein BMW-Windle-Renngespann so stark beschädigt und deformiert worden, dass die Felge nicht mehr eingesetzt werden konnte. Ersatz auf die Schnelle? Praktisch unmöglich.

Und damit stand die Rennsaison auf dem Spiel!

Für uns bedeutete das: Wir mussten versuchen, eine Felge zu retten, die es so nicht mehr zu kaufen gibt.

Das Renn-Gespann selbst ist schon technisch etwas Besonderes. Es handelt sich um ein historisches Seitenwagen-Rennmotorrad mit einem von Terry Windle gebauten Rohrrahmen. Für den Vortrieb sorgt ein klassischer BMW Boxer-Zweiventiler mit 1’066 cm³ Hubraum.

Das Fahrzeug ist kein Ausstellungsstück. Es wird nach wie vor im historischen Sidecar-Rennsport eingesetzt – und entsprechend hart rangenommen.

Die beschädigte Magnesiumfelge musste also nicht nur hauptsächlich wieder gut aussehen. Sie musste vor allem eines: wieder funktionieren.

Eine Woche. Eine seltene Felge. Und jede Menge Arbeit.

Nach der Begutachtung begann der Richtversuch. Schon die ersten Arbeiten zeigten, wie aufwendig die Rettung werden würde.

Das Felgenhorn musste an drei Stellen aufgeschweisst werden. Anschliessend kamen verschiedene Verfahren zum Einsatz: Wärmebehandlung, Richten, Walzen, Pressen und Drücken. Schritt für Schritt wurde versucht, die starke Deformation zurückzuformen und den Rundlauf wiederherzustellen. Bei einer dreiteiligen Felge reicht ein sauberer Rundlauf allein allerdings nicht aus. Die Konstruktion muss anschliessend auch wieder dicht sein.

Wenn man schon eine historische Rennfelge auf dem Operationstisch hat, zeigen sich natürlich auch die Spuren vieler Jahre im Motorsport. Mehrere beschädigte Stellen wurden deshalb mittels TIG-Schweissen aufgearbeitet. Material wurde ergänzt, anschliessend überdreht und verschliffen. Danach folgten Ausspritzen, erneutes Abdichten und Verschrauben der dreiteiligen Konstruktion.

Die Dicht- und Decknähte wurden neu gesetzt und sämtliche Schrauben und Muttern mit dem entsprechenden Drehmoment gesichert. Das Ziel war dabei ausdrücklich keine perfekte Show-Felge.

Denn im Rennsport gelten andere Prioritäten: Festigkeit. Zuverlässigkeit. Stabilität. Funktionalität.

Die Felge muss schnell und leicht sein – und vor allem den Belastungen auf der Rennstrecke standhalten.

Nach vielen Arbeitsstunden war es geschafft: Die Windle-Felge lief wieder rund, die dreiteilige Konstruktion war wieder dicht und Leon konnte seine Felge nach knapp einer Woche wieder in Empfang nehmen.

Seine Rückmeldung beschreibt ziemlich gut, was bei dieser Reparatur auf dem Spiel stand:

„Mit eurer Arbeit habt ihr mir buchstäblich die Saison gerettet.“

Denn kurzfristig eine passende Ersatzfelge für dieses historische Renn-Gespann aufzutreiben, wäre ausgesprochen schwierig, wenn nicht gar erfolglos geworden. Auch Verarbeitung und Qualität unserer Reparatur hob Leon in seiner Rückmeldung ausdrücklich hervor.

Und dann kam der Red Bull Ring …

Nur wenige Tage später folgte eine Geschichte, die wir uns für diesen Auftrag kaum schöner hätten ausdenken können.

Am 1. und 2. August 2026 fanden auf dem Red Bull Ring in Spielberg die IGFC Racing Days 2026 mit dem 23. Internationalen Rupert-Hollaus-Rennen statt. Zum Programm gehörten unter anderem die historischen Seitenwagen bis Baujahr 1990.

Und dort taucht in den offiziellen Ergebnislisten ein inzwischen bestens bekannter Name ganz oben auf:

Nagel – Szendroi, Startnummer 39, BMW 1000.

Im Silberlauf der historischen Seitenwagen gewann das Gespann seine Klasse H. Die #39 führte dabei sämtliche sieben Rennrunden und absolvierte das Rennen in 13:36,417 Minuten. Die schnellste Runde lag bei 1:55,582 Minuten.

Doch damit nicht genug.

Auch beim anschliessenden Goldlauf ging der Sieg an Nagel/Szendroi mit der BMW 1000 und Startnummer 39.

Damit bekam die aufwendige Rettung der seltenen Rennsportfelge für uns noch ein ganz besonderes Happy End!

Vom Richtbock zurück aufs Siegerpodest. Genau deshalb reparieren wir Felgen!

Natürlich lässt sich nicht jede beschädigte Felge retten. Und gerade bei hoch belasteten Rennsportkomponenten muss immer im Einzelfall beurteilt werden, was technisch noch sinnvoll und verantwortbar ist.

Aber solche Projekte zeigen, was mit Erfahrung, geeigneten Verfahren und manchmal auch etwas Hartnäckigkeit möglich ist.

In diesem Fall ging es nicht um irgendeine Felge. Es ging um eine seltene dreiteilige Magnesiumfelge eines historischen BMW-Windle-Renngespanns, für die kurzfristig praktisch kein Ersatz verfügbar war. Nur eine Reparatur konnte die Lösung sein!

Wärmebehandeln. Richten. Walzen. Pressen. Schweissen. Überdrehen. Verschleifen. Abdichten. Verschrauben. Prüfen.

Und nach knapp einer Woche konnte die Felge wieder dorthin zurück, wo sie hingehört: auf die Rennstrecke.

Dass kurz darauf am Red Bull Ring ein Siegerpokal vor dem Gespann stand, ist für diese Felgenprofi-Story das «Tüpfelchen auf dem i».